Struktur und Positionen

Was sich hier findet

Jede Organisation produziert im Laufe der Jahre eine ganz ansehliche Anzahl an Unterlagen, die nicht der konkreten Praxisarbeit gewidmet sind, sondern die innere Struktur oder die inhaltlichen Ansprüche der Organisation klären und darstellen. Dazu zählen zunächst Statuten oder Strukturpapieren, ebenso aber Positionspapiere zu zentralen inhaltlichen Fragen. Jahresberichte sollen das eigene Tun dokumentieren und Auftrags- und Geldgeber davon überzeugen, mit der Jungschar eine wichtige Einrichtung zu fördern. Hier werden weiters auch die Publikationen zur groß angelegten Jungscharstudie präsentiert, die 1991 bis 1994 erarbeitet wurden.

Statut 1949

Nach 1945 hatte seitens der Bischöfe die Idee einer einheitlichen, klar strukturierten und gut von der Kirchenleitung organisierbaren kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit eindeutig Priorität. Für die Kirche galt es, in einer Phase des ökonomischen und politischen Wiederaufbaus möglichst rasch ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten und ihre Einflusssphären entsprechend abzusichern.

Das erste Statut der KJSÖ von 1949 entsprach diesen Vorstellungen. Die grundlegende Linie der Arbeit wurde an der Zentralstelle entwickelt und bundesweit vorgegeben. Diözesen, Dekanate und Pfarren waren mit entsprechenden “Umsetzungsaufgaben” betraut. Dem möglichen Vorwurf eines autoritären Zentralismus wurde allerdings von Anfang mit den im Statut enthaltenen, detaillierten Mitwirkungsmöglichkeiten über gewählte Funktionen entgegengesteuert. So kommt es, dass die Jungschar zwar hierarchisch verfasst ist, gleichzeitig aber über breite Beteiligungsmöglichkeiten für die “Basis” verfügt. Das erste Statut wurde 1949 im Büro der Kinderseelsorge der Erzdiözese Wien am Stephansplatz 3 (Curhaus) verfasst.

Statut 1970

Die Katholische Jungschar Österreichs hatte in ihren ersten 23 Jahren eigentlich kaum eine gemeinsame Basis; Mädeljungschar und Bubenjungschar bestanden parallel zueinander. Als gemeinsame Einrichtung bestand nur der Bundesführungskreis; weiters wurde entweder der Zentralführer der Bubenjungschar oder die Zentralführerin der Mädljungschar zum gemeinsamen Bundesführer oder Bundesführerin gewählt. Als drittes und letztes gemeinsames Band gab es einen gemeinsamen Bundesseelsorger.

1970 wurde dies aber anders: Die Katholische Jungschar wurde eine Organisation; anstelle von Mädeljungschar und Bubenjungschar wurden innerhalb der KJSÖ Arbeitskreise für Mädeljungschar und Bubenjungschar mit den entsprechenden Mädchen- und Bubenverantwortlichen eingerichtet.

Diese weitreichende strukturelle Veränderung ist allerdings vor dem Hintergrund von inhaltlichen Entwicklungen (Zweiten Vatikanisches Konzils, 1968er Bewegung) zu sehen und fand ihren Ausdruck u.a. im neuen Jungscharsymbol: Kreuz & Kreis lösten Kreuz mit Krone ab. Von nun an war „Jesus unsere Mitte“, nicht mehr länger war die Rede von „Christus als unserem König“.

Das Vereinsstatut 1985/89

Nach langer Vorbereitung wurde ein Schritt gesetzt, mit dem die KJSÖ rechtliche Eigenständigkeit erlangte: Mit der konstituierenden Sitzung der Vollversammlung (vulgo Bundesführungskreis - BFK) des neu gegründeten Vereins KJSÖ am 16. November 1985 wurde dieser als Zweigverein des Katholischen Jugendwerkes begründet. Das Vereinsstatut der KJSÖ fußte auf der Grundlage des Vereinsgesetzes von 1951.

Am außerordentlichen Bundesführungskreis am 27. Jänner 1985 wurde festgehalten, dass dadurch die Gültigkeit das älteren kirchlichen Statutes nicht berührt werde. Nur dieses ältere Statut regelt die Struktur der Katholischen Jungschar auf Diözesan-, Dekanats- wie auch auf Pfarrebene, während sich das neue Vereinsstatut lediglich auf die Bundesebene bezieht. Bei Widersprüchen zwischen den beiden Statuten gilt das Vereinsstatut. Das Vorhandensein zweier unterschiedlicher Statute bringt zum Ausdruck, dass die Katholische Jungschar ein Verein ist sowohl im Sinne des staatlichen wie auch des kirchlichen Vereinsrechtes ist.

Dieser Schritt erschien den damals Verantwortlichen notwendig, um ausreichend juridische Eigenständigkeit von der Katholischen Jugend Österreichs zu erlangen. Mit dem Statut von 1970 war klar geregelt, dass die Jungschar nicht mehr, wie 1949 noch, lediglich als „Vorstufe“ der Katholischen Jugend zu verstehen ist. Dennoch schränkte die gemeinsame Rechtsperson mit der Katholischen Jugend die Jungschar ein: Jede Personalfrage musste von Gremien des KJWÖ formell beschlossen werden, die Zeichnungsberechtigung auf Konten lief über das KJWÖ. Gerade im Hinblick auf das weiterhin anhaltende Wachstum der Spendenerträge der Sternsingeraktion erschien es klug, zu diesem Zeitpunkt rechtliche Eindeutigkeit bzgl. der Eignerschaft dieser Spendengelder sicherzutellen. Dieser Schritt zur Vollrechtsfähigkeit war eine von mehreren Vorbedigungen für den Ausbau des Büros der Dreikönigsaktion und in weiterer Folge auch für die organisatorischen und inhaltliche Professionalisierung des Hilfswerkes. Weiterhin blieb die Jungschar aber Teil des gemeinsamen Dachvereins Katholisches Jugendwerk Österreichs – KJWÖ. Die KJSÖ ist einer der seltenen Fälle in Österreich, bei denen ein Zweigverein nicht einfach eine Art „Filiale“ des Muttervereines ist, sondern die rechtliche Eigenständigkeit wirklich lebt.

Das Vereinsstatut von 1985 wurde von der Vereinsbehörde nicht untersagt und der österreichischen Bischofskonferenz zur Genehmigung vorgelegt. Das Statut wurde 1989 um die Formulierung ergänzt, dass der Verein die „nach den Prinzipien der Katholischen Aktion Österreichs arbeitende“ Bundesstelle für die außerschulische, kirchliche Kinder- und Jugendarbeit der Katholischen Jungschar in Österreich bildet. Diese Änderung wurde mit 13. März 1989 der Vereinsbehörde gemeldet. Damit stand auch der Bestätigung durch die österreichische Bischofskonferenz nichts mehr im Wege.

Die Novellierung der Vereinsgesetzgebung mit dem neue Vereinsgesetz 2002 – VerG, das am 1. Juli 2002 in Kraft trat, machte eine neuerliche, lediglich formelle Anpassung des Vereinsstatutes nötig.

Neue Struktur 2008 und neues Statut 2009

Nach einem umfassenden Prozess, in dem die gesamte Struktur der Jungschar Österreich breit diskutiert wurde, verabschiedete der Bundesführungskreis 2008 eine neue interne Arbeitsstruktur – und nannte sich selbst in Bundesleitungskreis (kurz BULK) um. Im folgenden Jahr wurden die Statuten der neuen Struktur angepasst und von der Bischofskonferenz approbiert.

Jungscharstudie 1991 und 1994

KJSÖ (Hg.): Mit Kindern Gruppe leben. Kommentierte Ergebnisse der Jungscharstudie. Wien: Kath. Jungschar Österreichs 1994.

1994 wurde eine groß angelegte Studie fertig gestellt, deren Ergebnisse in Kurzform in dieser Publikation nachgelesen werden können. Einer der wesentlichen AutorInnen dieser Studie war Wolfgang Weirer, der diese Arbeit als Dissertation vorlegte. Die Kurzfassung bietet neben einer Darstellung des Designs der Studie die Ergebnisse bzgl. Reichweite der Jungschar, des Profils der GruppenleiterInnen, der Jungschargruppen sowie Untersuchungen zu Inhalten und Schwierigkeiten der Gruppenarbeit.

Magrutsch, Karin: Wie Kinder Gruppe erleben. Kommentierte Ergebnisse der Kindergruppenuntersuchung 1994. Wien: Kath. Jungschar Österreichs 1995.

Ein weiterer Teil der groß angelegten Jungscharstudie vom Beginn der 1990er Jahre war diese qualitative Arbeit von Karin Magrutsch. Kinder aus Jungschargruppen wurden nach ihren Motiven für die Gruppenzugehörigkeit und ihren Einschätzungen zu wichtigen Bereichen des Gruppenlebens befragt: Von den Ursachen und Austragungsformen von Konflikten in der Gruppe bis zu Rolle und Bedeutung des GruppenleiterInnen für die Kinder.

Richtlinien Dreikönigsaktion 1988

Die inhaltliche Ausrichtung der Projektarbeit der Dreikönigsaktion war etwa alle zehn Jahre Gegenstand von Studientagungen (1964, 1975, 1986, 1995). Die Richtlinien von 1988 verdanken sich wesentlichen Impulsen von der DKA-Studientagung 1986, an der neben Walbert Bühlmann und P. Luis Gutheinz auch Bischof Erwin Kräutler mitgewirkt hatte. Bemerkenswert an den Richtlinien von 1988 ist, dass sie bis heute nicht aufgehoben sind. Die DKA-Leitlinien von 2003 stellen eigentlich nur jüngere Konkretisierungen dar. Zentral in den Richtlinien von 1988 ist das pastorale Bewusstsein, von dem ausgehend die Ortskirchen als eigenständige Subjekte ihrer Entwicklung unterstützt werden sollen.

1950_Statut_KJSOE.pdf (Dateigröße: 706 KB)
1970_Statut_KJSOE_Hinweise.pdf (Dateigröße: 151 KB)
1970_Statut_KJSOE_Strukturbaum.pdf (Dateigröße: 58 KB)
1970_Statut_KJSOE.pdf (Dateigröße: 326 KB)
1985_Vereinsstatut_KJSOE.pdf (Dateigröße: 749 KB)
1988_Elternbroschuere_Kinderspielzeug.PDF (Dateigröße: 658 KB)
1993_Grundsatzpapier_Koedukation.PDF (Dateigröße: 321 KB)
2008_Organigramm.pdf (Dateigröße: 261 KB)
2009_Vereinsstatut_KJSOE.pdf (Dateigröße: 460 KB)