Der Pfeil

Der Pfeil war über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg die Jungscharzeitschrift für Kinder. Die in Innsbruck von Franz Weiser gestaltete Zeitschrift erschien zunächst wöchentlich, später monatlich und wurde über die Diözesanstellen und Pfarren an die Jungscharmädchen und -buben verteilt.

Der Pfeil ist eine Gründung der Zwischenkriegszeit und erschien zunächst von 1937 bis 1939 (oder gar bis 1941, laut Hans Weisers Abschiedsbrief von 1986). Die NS-Herrschaft tolerierte den Pfeil eine Zeit lang, während alle anderen katholischen Jugendzeitschriften vorboten worden waren. Weshalb die Innsbrucker Zeitschrift den kirchenfeindlichen Maßnahmen des NS-Regimes entgangen war, ist nicht bekannt. Jedenfalls ermöglichte dieser Umstand, dass sich die Zeitschrift, die zunächst nur in Westösterreich verbreitet war, nun auch in den östlichen Bundesländern verkauf wurde, und zwar um 2 Pfennige. Dies entsprach nach heutiger Kaufkraft etwa 20 Cent. Schließlich wurde der Pfeil doch noch verboten, die NS-Behörden unterband das weitere Erscheinen. Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes erschien der Pfeil wieder im 4. Jahrgang 1945, und Franz Weiser wirkte ohne Unterbrechung bis zum Jahr 1968 weiter als dessen Schriftleiter.

1947 kostete der Pfeil 8 Groschen. Dies entspricht nach heutiger Kaufkraft 27 Cent. Er hatte weiterhin das gleiche Format, vier Seiten Umfang und die wöchentliche Erscheinungsweise der Vorkriegszeit.

1956 hatte sich der Pfeil zu einer richtigen Zeitschrift weiterentwickelt. Er erreichte nun einen Umfang von 16 Seiten; die Erscheinungsweise wechselte auf den Monatsrhythmus in den Tiefdruckfarben braun und grün. Das Heft 7/8 erschien als Ferien-Pfeil in Farbdruck. Der Preis lag bei 1,60 öS, die Auflage bei 26.000 Stück. Das Katholische Jungwerk Österreichs vereinbarte mit Herausgeber und Verlag in Innsbruck vertraglich die Mitherausgeberschaft der Katholischen Jungschar Österreichs. Zur Hauptschriftleitung in Innsbruck kamen nun zwei Lokalredaktionen: Joseph Petrik und Eva Rasny in Wien sowie Franz Stauber und Friedl Lenzeder in Linz.

1962 feierte die Katholische Jungschar ihren 15. Geburtstag. Dazu erschien ein Sonderpfeil, aus dem hier einige Seiten download angeboten werden.

1966 wurde das Format des Pfeil etwas verkleinert (statt 21 x 30 nun 17 x 23,5 cm); die Seitenanzahl erweiterte sich auf 32 und der Preis auf 2,60 öS. Die Auflage erreichte 61.000 Exemplare. Ein eigener Arbeitskreis der Katholischen Jungschar untersützte die Innsbrucker Redaktion wie auch die Wiener (Franz Ivan) und Linzer (Barbara Lulek) Lokalredaktionen. Für Ministranten erschien eine Sonderausgabe mit vier zusätzlichen Seiten zum Preis von 3,10 öS pro Nummer.

1976/77 präsentierte sich der Pfeil weiterhin in selben Format; der Preis war auf 5,50 öS gestiegen. Der Pfeil-Hauptschriftleiter Hans Weiser wurde nun vom Pfeil-Beautragten der Katholischen Jungschar Österreichs Christian Knauth unterstützt, der diese Aufgabe 20 Jahre lang wahrnahm. Die Auflage war gesunken, mit 45.000 aber immer noch sehr hoch. Zu dem ursprünglich vorwiegend religiösen Inhalt war im Laufe der Jahre Wissenswerter und Kurioses aus aller Welt, über Abenteuer, Technik und Sport gekommen.

1986/87 kam es zu einem ersten Ende des Pfeils. In seinem letzten Erscheinungsjahr erschien der Pfeil wieder im größeren Format 21 x 29,5 cm mit 16 Seiten im Farbdruck. Schriftleiter Hans Weiser, geb. 1912, verabschiedete sich mit 75 Jahren in die Pension.

In seinem Abschiedsbrief im Ferienpfeil 1987 dankte Franz Weiser den 26 freiwilligen MitarbeiterInnen, aber auch den österreichischen Bischöfen, „die mithalfen, dass er schuldenfrei ist“. Offensichtlich war es nicht einfach, die Zeitschrift trotz der hohen Auflage verlustfrei zu produzieren.

In der letzten Phase fungierte die Diözese Graz-Seckau in Zusammenarbeit mit den Diözesen Gurk-Klagenfurt und Innsbruck für die Österr. Bischofskonferenz als Herausgeberin. So konnte der Pfeil von 1988 an bis 1992/93 nochmals erscheinen, ehe er endgültig eingestellt werden musste.

Der Pfeil galt zwar als die Kinderzeitschrift der Katholischen Jungschar, war dies genau gesehen aber nicht. Sie war formell unabhängig von der KJSÖ, auch wenn ein Vertrag zur Mitherausgeberschaft bestand. Laut Berichten von ehemaligen MitarbeiterInnen der KJSÖ war die Zusammenarbeit mit Franz Weiser keineswegs immer reibungslos. Zuletzt dürfte die inhaltliche Linie des Pfeils doch immer wieder etwas konservativer ausgefallen sein, als der Jungschar-Bundesführung recht war. Die hohe wechselseitige Identitifikation ermöglichte aber eine interessante Kooperation bis zur Pensionierung Franz Weisers. Für die Durchführung von Großaktionen wie den Lichtstafetten und den Bundeslagern war der Pfeil aber unabkömmlich und teilweise auch entscheidend für den Erfolg. Über den Pfeil konnte bundesweit kommuniziert werden. Geregelte interne Kommunikationskanäle aber sind ein wichtiger Teil von organisationeller Identität.

Quelle: Dokumentation Nr. 6, Mai 1992.

1962_Sonderpfeil_15 Jahre Jungschar.pdf (Dateigröße: 2.12 MB)
1987_Pfeil Abschied Weiser_b.pdf (Dateigröße: 432 KB)
1987_Pfeil Abschied Weiser_a.pdf (Dateigröße: 463 KB)