Bericht zur Lage der Kinder

Die Idee

Die Katholische Jungschar Österreichs veröffentlichte ab 1992 Berichte zur Lage der Kinder, die zunächst jährlich (1992-1996), später alle zwei Jahre (1996, 1998, 2000), schließlich mit noch größerem Abstand 2003 erschienen. Die finanzbedingte Pause seit dem letzten Bericht im Jahr 2003 konnte bislang nicht beendet werden.

Spätestens seit der Enquete 1979 zum „Jahr des Kindes“, die unter dem Titel „Kind – Christen – Staatsbürger“ stand, verstand sich die Katholische Jungschar als eine Organisation, die sich für die Rechte von Kindern einsetzt. Anfang der 1990er Jahre wurde die Idee entwickelt, dies in Form des „Berichts zur Lage der Kinder“ zu tun. „Berichte zur Lage...“ erschienen in Österreich zu unterschiedlichsten Themen, etwa „zur Lage der Jugend“. Einen „Bericht zur Lage der Kinder“ gab es allerdings keinen. Dies kann wohl als Ausdruck der mangelnden Aufmerksamkeit der politischen Öffentlichkeit für Kinderanliegen gewertet werden.

Die Katholische Jungschar publizierte in der Folge acht „Berichte zur Lage der Kinder“. Ziel der Berichte zur Lage der Kinder war es, zu einem in der Öffentlichkeit wenig beachteten Gebiet Grundlagendaten aufzuarbeiten und zu einem vertieften Verständnis für die Situation von Kindern in Österreich beizutragen.

Der grundsätzliche Beschluss über dieses Vorhaben fiel beim Frühjahrs-Bundesführungskreis 1991 in Zell an der Pram. In der Anlage zum entsprechenden Tagesordnungspunkt hieß es: „Unsere Welt ist eine Welt der Erwachsenen. Gerade deshalb ist es notwendig, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass Kindheit kein Durchgangsstadium ist, sondern ihren eigenen Wert hat.“

Damit war auch der spezifische methodische Zugang der „Berichte zur Lage der Kinder“ benannt: Diese sollten nicht Kinder als Objekte, gleichsam von außen, beschreiben, vielmehr wurden AutorInnen gesucht, die die Perspektive der betroffenen Kinder selbst erforschten, dokumentierten und rekonstruierten. Ein kindzentrierte Perspektive sollte deren Sicht auf Welt und Gesellschaft, auf ihre Sorgen und Nöte sichtbar machen. Diese methodische Herangehensweise wurde gewählt, um nicht vorweg eine Solidarisierung mit Anliegen von Erwachsenen zu befördern und um tatsächlich konsequent die Sichtweise der Kinder einzunehmen. Qualitative Studien mit Tiefeninterviews eignen sich dafür ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde ein partizipativer Forschungsansatz gewählt, bei dem die zu Erforschenden selbst eine aktive Rollen einnehmen, in der Konzeption wie auch in der Durchführung der Studie.

Kinder sind handelnde Subjekte wie andere Menschen aus. Sie entwickeln ihre je persönlichen Strategien, auf schwierige Situation zu reagieren. Freilich reagieren manche Kinder nicht, diese verfallen in chronische Depressionen. Die von den Berichten zur Lage der Kinder gewählte Herangehensweise legte Wert auf eine Methode, die es erlaubt Handlungsmuster und Strategien der Kinder zu rekonstruieren und zu verstehen. Hier wurde auch den Ansätzen zeitgemäßer Sozialwissenschaft (vgl. etwa Antony Giddens, Pierre Bourdieu) wie auch der neueren, akteursbezogenen Kindheitsforschung gefolgt. Soziale Wirklichkeit steht im Wechselspiel von strukturellen Gegebenheiten und der von handelnden Subjekten gewählten Praxis.

Der Bericht zur Lage der Kinder bot unter einer jeweils neuen Perspektive einen Einblick in die Lebensrealität von Kindern in Österreich. Umfassende Analyse und prägnante Schlussfolgerungen für Pädagogik und Politik sollten ihn zu einer wertvollen Unterlage für alle machen, die in Österreich mit und für Kinder arbeiten.

Nachdem von 1993 bis 2003 immerhin acht Berichte erschienen waren, gelang es nicht mehr, die notwendigen Finanzen für dieses Projekt aufzustellen. Die Förderkriterien der bisherigen Geldgeber waren verengt worden; das Scheitern bei der Suche nach Finanzierungsquellen kann abermals als trauriger Beleg für die gesellschaftliche Geringschätzung von Kinderanliegen betrachtet werden.

Für einen Bericht zur Lage der Kinder zum Thema „Folgen von Arbeitslosigkeit auf Kinder“ wurde immerhin noch ein Konzept verfasst. Es schaffte allerdings nicht einmal mehr den Weg auf die Tagesordnung der Bundesleitung. Es wird hier als pdf zur Verfügung gestellt.

Ebenso findet sich das Grundkonzept zu den Berichten zur Lage der Kinder vom Frühjahr 1991 als pdf.

1991_Konzept_BLK.pdf
2004_Konzept_BLK_Arbeitslosigkeit.pdf