Vorgeschichte: Der Vereinskatholizismus bis 1934

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine ganze Reihe von katholischen Vereinen, die KatholikInnen vielfältige Möglichkeiten bot, sich innerhalb des eigenen Milieus zu betätigen. Ein bedeutender Teil dieser Vereine widmete sich der Jugend. Zum einen ging es in ihnen um Jugendpflege, waren also pädagogische Angebote von Erwachsenen an Jugendliche, zum anderen aber darum, dass sich Jugendliche selbst organisierten und ihre eigene Organisation auch leiteten.

Kinderorganisationen waren in der Zeit des Vereinskatholizismus rar; es gab allerdings einige Organisationen, die Kinderstufen anboten. Als eine der bedeutendsten können hier die PfadfinderInnen genannt werden, die mit den „Wölflingen“ ab 1914 über eine eigene Kinderstufe verfügten.

Zu diesen Jugendvereinen zählten die „Christliche Deutsche Turnerschaft“, St. Georg Pfadfinder, die „Frohe Kindheit“, das „Katholische Jungvolk“, der „Reichsbund der Katholischen Jugend“, eigentlich eine Art Dachverband, ebenso sein weibliches Pendant, der „Reichsverband katholischer Mädchenvereine“) sowie der Bund Neuland. Der Bund Neuland war für die Jungschargeschichte insofern einer der wichtigsten von allen Vorgängerorganisationen, als aus dieser Organisation die meisten der GründerInnen der Jungschar kamen, inspiriert von der Absicht, die Kirche zu verjüngen und zu erneuern (deshalb ja der Name „Neuland“). Die Neuland-Bewegung verstand sich als reformpädagogische Bewegung. Neben Willy Lussnigg bestätigten sich auch Personen wie Karl Rudolf, späterer Seelsorgeamtsleiter der Erzdiözese Wien, Michael Pflieger oder auch der katholische Kunstförderer Monsignore Otto Mauer und viele andere im Bund Neuland, der eigentlich ein recht kleiner Verein war. Auf ihn geht auch die heute noch bestehende Neulandschule in Wien 19 zurück. In ihr sollten die pädagogischen Konzept des Bund Neulands verwirklicht werden.