1945-50: Die Geburtsjahre

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes konnte in der Kinderseelsorge nahezu nahtlos an das angeknüpft werden, was in der Zwischenzeit methodisch ausformuliert und auch in der NS-Zeit weiter entwickelt worden war. In der nun entstehenden Jungschar wurde das ganzheitliche Lernen und Erleben der Kinder in den Mittelpunkt gestellt: Neben der gemeinsamen Glaubenspraxis, dem Gebet und etwas Belehrendem, spielten Gesang, Spiel und Bewegung eine wichtige Rolle. Die dahinter stehende Idee klingt heute einfach, war damals aber etwas völlig Neues: Katholisch sein sollte nicht gelehrt, sondern in den Beziehungen zu Gleichaltrigen und über das Vorbild des/der GruppenführerIn erlebt werden.

Die Jungschar-Gründerin Willy Lussnigg unternahm gemeinsam mit ihren MitarbeiterInnen, darunter die Wienerin Anny Friedrich, von Wien aus Reisen in die anderen österreichischen Diözesen, wo sie die Jungschar-Idee verbreiteten, Schulungen nach bewährten Konzepten abhielten und Verbündete sammelten. Nach Wien wurden so auch in Graz, Salzburg und bald auch in Innsbruck rudimentäre Jungschar-Strukturen aufgebaut.

Diese vier Diözesen waren es dann, die 1947 in Matrei am Brenner am Bundesführungskreis des KJWÖ die Katholische Jungschar Österreichs begründeten. Pater Glaser war 1948 bis 1951 der erste Jungschar-Bundesseelsorger. Hier liegt die offizielle Geburtsstunde der Jungschar, in den Märztagen des Jahres 1947. Damals setzten sich Willy Lussnigg, Pater Johann Glaser OSFS, Kaplan Gold und einige andere Gründungspersonen der Jungschar am Rande des Bundesführungskreises des Katholischen Jugendwerkes Österreichs in Matrei am Brenner zusammen, um die Einrichtung der Jungschar als eigenen Bereich für Kinder zu beschließen. Ab damals bestand die Jungschar auf Österreich-Ebene, aber als Teil der Katholischen Jugend, im Rahmen des Katholischen Jugendwerkes Österreichs. Eigentlich gab es zwei Jungscharen, nämlich die Mädeljungschar und die Bubenjungschar, die in Form des Bundesführungskreises über eine gemeinsame Leitung verfügten. Dies entsprach der Idee der Gliederung der KatholikInnen nach den Naturständen: Es gab die Katholische Männerbewegung und die Katholische Frauenbewegung, die Weibliche Katholische Jugend und die Männliche Katholische Jugend, also musste es auch die Mädeljungschar und die Bubenjungschar geben.

Willy Lussnigg und Pater Glaser verfassten 1985/86 ein Buch, das eine der wenigen Quellen über die Entstehung der Katholischen Jungschar aus den Händen der GründerInnen ist. Dieses Werk stellt die Entwicklung der neuen Konzepte von Kinderseelsorge und den Aufbau vor, während und nach der NS-Herrschaft detailliert dar. Zahlreiche Quellentexte illustrieren die widersprüchlichen Entwicklungen der ersten Jahre. Willy Lussnigg selbst verstarb allerdings kurz vor dem Erscheinen des Buches am 12. Februar 1986.