1938-45: Kinderseelsorge im Schutz des Wiener Erzbischöflichen Palais

Kurz nach ihrer Machtergreifung verboten die NationalsozialistInnen sämtliche kirchliche Vereine und Verbände, insbesondere die zahlreichen Jugendorganisationen. Der katholischen Kirche wurde nur minimale Aktivitäten im Bereich der unmittelbaren Seelsorge zugestanden, die sich auf die Vorbereitung und Feier der Sakramente zu beziehen hatten. Soziale Begegnung zwischen Jugendlichen sollte fortan in den staatlichen Organisationen, der HJ – Hitlerjugend und dem BDM – Bund Deutscher Mädel, stattfinden. Das kirchlich „organisierte“ Leben fand in der Folge nur dezentral, in Sakristeien und Pfarrhöfen und zunehmend heimlich statt. Vor 1938 hatten viele Verbände eigene Heime außerhalb der Pfarren besessen, die Pfarre war der Ort der Sakramente, aber nicht unbedingt das Zentrum kirchlichen Lebens. Dies änderte sich nun im Zwang der neuen Situation.

Auch in der kirchlichen Zentralstelle folgte man diesem Logik: Die „Hauptstelle Kinderseelsorge“ konnte nicht länger als Einrichtung der Katholischen Aktion fortbestehen, wurde die Katholischen Aktion doch aufgelöst. Das Ordinariat integrierte sie daraufhin ins Seelsorgeamt selbst. Willy Lussnigg und Kaplan Dorr setzten ihre vor der NS-Zeit begonnene Arbeit fort, mussten nun aber eine besondere Vorsicht dabei walten lassen. Immer wieder erhielten Jugendkapläne Gauverbot oder wurden verhaftet: Kaplan Karl Dorr erhielt 1941 „Ostmarkverbot“, Kinderseelsorger Johannes Glaser hatte 1944 einen „Sicherheitsbetrag“ von 1.000.- Reichsmark zu hinterlegen, Willy Lussnigg wurde eines Tages zur Gestapo auf dem Morzinplatz zitiert. Das kurze Verhör verlief glimpflich und diente vor allem der Einschüchterung.

In einigen Gauen wurden die Seelsorgestunden seitens des NS-Regimes verboten; viele Pfarrer und Kapläne ignorierten diese Verbote und setzten sich damit großen Gefahren aus. Die kirchliche Jugendarbeit dieser Jahre war mit dem katholischen Widerstand gegen das NS-Regime soweit vernetzt, wie es die Umstände erlaubten. In den Seelsorgestunden in den Sakristeien wurde zum Teil mentaler Widerstand geleistet.