1950er - Aufbaujahre

Die ersten 15 bis 25 Jahre waren eine Zeit des rasanten Wachstums der Jungschar. Die neue Idee fand viele Anhänger/innen. Dies war wohl nicht nur deshalb der Fall, weil die Idee viele Menschen in der Kirche überzeugten, sondern auch, weil die Bischöfe dahinter standen. Vor dem NS-Regime gab es eine fast unüberschaubare Vielzahl an Organisationen, die sich nicht gerne von den Bischöfen in die Karten schauen oder kontrollieren lassen wollten. Mit der neuen, einheitlichen Struktur war das anders. Insbesondere Kardinal Innitzer befürwortete den Aufbau einer einheitlichen Organisation; die Bischofskonferenz erließ im Oktober 1946 dazu die „Richtlinien zur einheitlichen Gestaltung der kirchlichen Jugendarbeit in Österreich“. Auch stimmte das Vertrauensverhältnis, hatte man doch die sieben schwierigen Jahre der NS-Herrschaft gerade durch eine gute Zusammenarbeit bewältigt.

So erfreute sich die Jungschar wie auch die Katholische Jugend eines raschen Wachstums. Großveranstaltungen trugen das ihre dazu bei, dass die Jungschar attraktiv war: Während die Mädeljungschar Kathreinstänze perfektionierte, führte die Bubenjungschar drei Mal eine Lichtstafette durch. Als eine deren positiver Folgen entstand übrigens auch die Sternsingeraktion: Man wollte sich bei der MIVA für das Zur-Verfügung-Stellen eines Jeeps bedanken und sammelte mit Sternsingern für ein Motorrad für die Mission. Bekanntlich blieb es nicht bei den drei Motorrädern, die mit dem Erlös der Sternsingeraktion gekauft werden konnten.

Der Kampf gegen Schmutz und Schund

Liest man Arbeitsbehelfe der damaligen Zeit, so fällt die normative Ausrichtung der Arbeit auf: Jungscharbuben wie -mädel sollten sich an den bald ausformulierten Jungschargesetzen orientieren. Frömmigkeit, Disziplin, Ordnungsliebe wie auch Reinheit galten hier als wesentliche Tugenden. Die Frage der Reinheit betraf nicht nur den Umgang mit dem eigenen Körper und Sexualität, sondern auch die Wahl der Lektüre. Die KJSÖ gründete bereits früh, nämlich schon 1947, als eine Art Medienreferat einen „Arbeitskreis für Kinder- und Jugendschrifttum“. Aus diesem entwickelte sich 1955 die „Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendschrifttum“, zunächst als eigenes Referat des KJWÖ. 1970 in die Struktur der Österreichischen Bischofskonferenz bzw. der Erzdiözese Wien integriert, wurde sie 1974 in „Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur“ (StuBe) umbenannt. In ihrer mittlerweile ebenfalls über 50jährigen Geschichte hat sich die StuBe von einer Stelle, die sich – übrigens ebenso wie die Kinderfreunde, wenn auch unter anderem weltanschaulichen Vorzeichen – dem Kampf gegen „Schmutz und Schund“ verschrieben hatte, zu einer Einrichtung gewandelt, die sich der kritischen Reflexion der Kinder- und Jugendliteratur und Erarbeitung von Empfehlungslisten widmet. www.stube.at
1968_Historikerkreis_STUBE.pdf

Weltjugendspiele 1959

So selbstbewusst aus heutiger Sicht das Auftreten dieser jungen KatholikInnen heute wirken mag, in ihrer Zeit sahen sie sich als bedroht und in der Defensive stehend an. Der rasche gesellschaftliche Wandel seit Ende des 19. Jahrhunderts hatte vieles in Frage gestellt, was als unhinterfragbar erschien. Gerade erst hatte man die schwierigen Jahre der NS-Herrschaft überstanden. Nun sah man sich neuen-alten Feinden ausgesetzt: die Sozialdemokratie und der Kommunismus. Beide Weltanschauungen wurden schon alleine ihres Atheismus wegen abgelehnt, aber es gab auch andere Aspekte, die eine Herrschaft der „Roten“ bedrohlich erscheinen ließen: die teilweise Hinterfragung der Geschlechterrollen, die Forderung und Förderung von Kleinkindbetreuung trugen dabei wohl weniger zur Ablehnung bei als die Angst vor einer Integration Österreichs in das sowjetische Imperium.

Vor diesem Hintergrund sind die Aktivitäten zu verstehen, mit denen die Katholische Jugend – und in ihr viele der damaligen Verantwortlichen der Katholischen Jungschar – anlässlich der Weltjugendspiele 1959 vor Kommunismus und Gottlosigkeit warnte.