1980er – Die Entdeckung der Gesellschaftspolitik

In den 1980er Jahren realisierte die KJSÖ, scheinbar ungestört, alle zwei Jahre ganz regelmäßig eine Kindergroßveranstaltung: die Palette für die Mädchen und das Bundeslager für die Buben.

Inhaltlich brachte dieses Jahrzehnt keine Veränderung der inhaltlichen Linie, vielmehr wurden die neue Optionen, die in den 1970er Jahren getroffen wurden, zunehmend konsequenter umgesetzt. Vieles, was allgemein als Kerninhalt der 1968er-Bewegung gilt, wurde erst jetzt in der Katholischen Jungschar (und nicht nur dort) wirksam. Die Bedeutung des kooperativen Spiels wurde hervorgehoben und der gängige Leistungsbegriff kritisch hinterfragt. Spielotheken, Spielebusse und Museumsführungen für Kindern bereicherten das Bild der Jungschararbeit. Wesentlich akzentuiert wurde allerdings die gesellschaftspolitische Arbeit der KJSÖ. Die kinderpolitische Enquete von 1979 hatte Nachwirkungen: Aktionen gegen Gewalt gegen Kinder und gegen Kriegsspielzeug waren Ausdruck des friedenspolitischen Engagements der Jungschar in einer Zeit der Antikriegsbewegung und der Prosteste gegen die Stationierung der Pershing-II-Atomsprengkopfraketen in Deutschland wie Österreich.

Eine Großveranstaltung der Katholischen Kirche Österreichs berührte und involvierte auch die Jungschar: 1983 besuchte Papst Johannes Paul II Österreich. Die Diözesanleitungen der KJS in der Erzdiözese Wien wie auch jene in Innsbruck koordinierten die MinistrantInnen, die bei den Gottesdiensten mit dem Papst zahlreich mitwirkten. Darunter waren auch zahlreiche Mädchen, obwohl dies seitens der Nuntiatur explizit untersagt worden war. Einige Jahre später wurden Mädchen vom Vatikan offiziell als Ministrantinnen zugelassen, man hatte also die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. In Innsbruck fand eine eigene Begegnung des Heiligen Vaters mit Kindern im Olympiastadium statt; die Jungschar stellte dem Papst eine Rede zur Verfügung. Allerdings bevorzugte es dieser, frei zu den Kindern zu sprechen.

Eine strukturelle Veränderung brachte für die KJSÖ die Gründung des Vereins „Katholische Jungschar Österreichs“ als Zweigverein des „Katholischen Jugendwerkes Österreichs - Bundesstelle für Kinder- und Jugendarbeit“ (KJWÖ). Damit gewann die KJSÖ Rechtspersönlichkeit und wurde in personellen und finanziellen Fragen gegenüber dem KJWÖ eigenständig.