Die Ostergrußaktion

Die „Aktion Ostergruß“ der Katholischen Jungschar besteht seit 1969 und wurde im ersten Jahr als „ökumenische“ Aktion, gemeinsam mit der Evangelischen Jugend, den Pfadfindern und Pfadfinderinnen Österreichs und den St.Georgs Pfadfinderinnen durchgeführt. In weiterer Folge wurde sie zu einer Aktion der Katholischen Jungschar, in ununterbrochener Reihe bis zum heutigen Tag.

Die Idee wurde zunächst folgendermaßen formuliert:
„Mit der Überreichung eines kleinen Blumengebindes und dem daran befestigten Ostergrußkärtchen möchten die Buben und Mädchen der KJS an die Freude über unser Erlöstsein als ChristInnen – wie dies in der Osterzeit gefeiert wird – über den Kreis der Kirchenbesucher hinaus erinnern.“

In den meisten Pfarren entwickelte sich die Praxis aber so weiter, dass die Ostergrußkärtchen durchaus auch ohne Blumengebinde an die Mitglieder der Pfarrgemeinde im Anschluss an die Feier der Osternacht überreicht wurde.

Dennoch sollte die Überreichung der Ostergrußkärtchen keine reine Formsache werden. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass es zur Durchführung der Aktion eine geeignete Vorbereitung in den Jungschargruppen bedarf, die sowohl inhaltliche („Gruppenstunde zum Ostergruß“) wie auch organisatorische Aspekte hat. Daher wurden inhaltliche Unterlagen dazu erarbeitet, die eine entsprechende Vorbereitung in den Kindergruppen ermöglichen sollten.

Exkurs: Ostergruß und Sprachenpolitik

Der Ostergruß sollte alle Menschen erreichen. Dieser Anspruch sollte zumindest in sprachlicher Hinsicht auf die österreichische Bevölkerung bezogen erreicht werden. Dies war jedoch ein längerer Prozess, der sich deutlich in die allgemeine politische Geschichte einschreibt. Die Wahl der Sprachen, in denen der Ostergruß mitgeteilt wird, spiegelt die Misere der österreichischen Migrations- wie auch Volksgruppenpolitik wieder, wenn auch die Jungschar versuchte, hier Signale der Offenheit zu senden. Oft erfolgten sie zeitgerecht, ihrer Zeit voraus waren sie aber eigentlich nicht. Immerhin aber bekannte sich die Jungschar ab 1980 zur Mehrsprachigkeit Österreichs, und dies nicht nur im Hinblick auf den Tourismus.

1980 fand sich erstmals der Ostergruß neben deutsch auch in slowenischer Sprache – die Jungschar in Kärnten hat eigene slowenischsprachige Seelsorgestrukturen. Eigentlich ist dies ein später Zeitpunkt, datiert der Kärtner „Ortstafelsturm“, bei die in 205 Ortschaften demonstrativ die deutsch-slowenischen Ortafeln demontiert wurden, von 1972. Das Volksgruppengesetz, in dem die Rechte der österreichischen Minderheiten geregelt wurden, datiert von 1976.

1982 sind es bereits fünf Sprachen, nun auch Kroatisch, Türkisch und Ungarisch. Man dachte also nicht an die österreichischen Volksgruppen, denn da hätten von den damals fünf anerkannten Volksgruppen (Kroaten, Slowenen, Tschechen, Ungarn und Slowaken) damals zwei gefehlt, sondern an GastarbeiterInnen in Österreich. In den Jahren darauf wird die ungarische Version wieder weggelassen, obwohl es sich hier um eine der österreichischen Volksgruppen handelt.

1988 erweitert man das Sprachspektrum jedoch wieder, es gibt neuerlich eine ungarische Übersetzung und dazu italienische und ladinische Ostergrüße. Offensichtlich sollte diese Karte auch in Südtirol verteilt werden. Dabei blieb es für zwei weitere Jahre, bis 1991 auch Russisch, Polnisch, Rumänisch, Tschechisch und Slowakisch dazu genommen wurden. Sollten nach dem Fall des Eisernen Vorhanges die Menschen aus mittel- und osteuropäischen Ländern besonders gegrüßt werden?Jedenfalls hatte man damit endlich die Sprachen jener fünf Volksgruppen auf dem Ostergrußkärtchen, die in Österreich gemäß dem Volksgruppengesetz von 1976 offiziell anerkannt waren.

Im Jahre darauf, 1992, reduzierte man die Sprachen wieder auf sieben, Russisch, Türkisch und Rumänisch fielen wieder heraus. Dafür entdeckte man 1993 das Bosnische – der Bosnienkrieg (1992-1995) war in der Öffentlichkeit gerade präsent.

1994 blieb es bei den nun acht Sprachen, Romanes als Sprache der Roma, die 1993 endlich als Volksgruppe anerkannt worden waren, fehlte. 1995 geschah aber Ungewöhnliches: Bosnisch, Kroatisch und Serbisch wurden einer einzigen Übersetzung zugeordnet. Erinnerte man sich mit Ende des Bosnienkrieges, dass früher Serbokroatisch als eine einigende Sprache verstanden wurde und das Sprache Menschen nicht trennen, sondern vereinen soll? Die zweite Ungewöhnlichkeit stellte die Hinzunahme des Englischen dar. Die Globalisierung klopfte auch bei der Ostergrußaktion der Katholischen Jungschar an.

1996 mussten jedoch wieder ganz andere sprachliche Prioritäten gesetzt werden: Nun waren es elf Sprachen. Burgenländisch Kroatisch wurde von Kroatisch unterschieden und auch das Kärntner Slowenisch stand eigenständig. Serbisch hatte sich wieder vom Kroatischen getrennt, Bosnisch war verschwunden. Eine Sprache war ganz neu hinzugetreten: Romanes. Nach den Anschlägen gegen die Roma-Siedlung in Oberwart 1995 sah man sich veranlasst, diese österreichische Sprache wahrzunehmen. Während es 1996 noch bei der falschen Schreibweise „kärtner slovenisch“ bleibt, entdeckt man 1997 das „w“ im Slowenischen und schreibt, nicht wirklich überzeugender, weil weiterhin fehlerhaft „kärtner.slow.“ Erst 1998 erhielt Kärnten sein zweites „n“ zurück. Bis 1999 blieb es bei jenen elf Sprachen, die 1995 gewählt worden waren.

Die Geschichte der Sprachwahl zum Ostergruß zeigt ein Bemühen um Offenheit für viele Sprachen, das aber nicht immer von der entsprechenden Fachkenntnis angeleitet war. Sie spiegelt aber auch die Entwicklung und den Wandel eines Bewusstseins um Plurikulturalität und Mehrsprachigkeit in Österreich. Dieses Bewusstsein entwickelte sich stockend, angestoßen durch politische Ereignisse, die die Öffentlichkeit schockierten. Innenpolitik, GastarbeiterInnenpolitik wie auch außenpolitische Ereignisse beeinflussten die Ostergrüße der Katholischen Jungschar. In Jahrzehnten, die den Aufstieg der Haider-Partei und zunehmende Ausländerfeinlichkeit erlebte, drückten diese Kärtchen ein solidarische Option mit jenen aus, die vielen in Österreich als unerwünscht galten. Zumindest nach dem Auferstehungsgottesdienst sollten die Menschen daran erinnert werden, dass Erlösung für alle verheißen wurde.

Hinweis: Ein ausführlicher Artikel zur Geschichte der österreichischen Minderheitenpolitik findet sich hier: http://www.minderheiten.at/Service/volksgruppen.htm

Eine kurze Chronologie zur Ostergrußaktion:

1969: Die „Aktion Ostergruß“ wird erstmals durchgeführt.
„Die Freude über die Auferstehung Christi darf nicht nur bei uns bleiben, wir müssen sie weitergeben“ (Sonntagsblatt 25,1970). Aus diesem Grund überreichen seit dem Jahre 1969 die Mädchen und Buben der KJSÖ Kranken und Einsamen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Menschen, die am Ostersonntag Dienst machen müssen, und den Kirchgängern, Sträußchen mit Blumen oder Palmkätzchen mit einem Anhängerkärtchen.

1978: Erfolgt eine Neubelebung der Aktion v.a. durch verbessertes Begleitmaterial für die Vorbereitung.

1982: Die „Aktion Ostergruß“ wird mit der gleichzeitig bestehenden „Fastenaktion“ zusammengelegt, was in der Folge dazu führt, dass die Katholische Jungschar die Fastenaktion – eine eigene zweite Spendensammelaktion für die „Dritte Welt“ zugunsten der Dreikönigsaktion aufgibt.
Die Kompetenz für die Auswahl des Bildmotives wird in den nächsten Jahren in das Kinderpastoral-Team übertragen. Als Linie lässt sich erkennen, dass man zumindest in den Jahren 1988-1993 lang nach künstlerischen Darstellungen suchte, die durch Provokation zum Nachdenken anregen sollten.

1991: Ein Aktionsheft zur Ostergrußaktion wird herausgegeben und bundesweit verteilt; es soll zu einem besseren Verständnis und zu einer besseren Durchführung der Aktion beitragen.

1993: Die Bundesleitung beschließt, die Auswahl des Bildmotives und allfälligen Begleitmaterials in die Eigenverantwortung der Diözesanleitungen zu geben. Nach einer im Kinderpastoral -Team vereinbarten Reihenfolge gestaltet in den folgenden Jahren jeweils eine Diözese für alle anderen das gemeinsame Ostergrußkärtchen. Vorgabe: Das Bildmotiv wird von Kindern gemacht.
In einer Anlage zum Kinderpastoral-Team vom 22./23. April 1993 wird vermerkt:
„1. Die Ostergrußaktion versteht sich als Grußaktion der Jungscharkinder. Das heißt: Kinder wenden sich an den Osterfesttagen mit einer Grußbotschaft an andere Menschen.
2. Diese Grußbotschaft soll (in Wort und Bild) leicht verständlich sein, und von den Kindern selbst überzeugend weitergegeben werden.
3. Das Kärtchen als Träger dieser Botschaft soll beibehalten werden, allerdings mehr Platz für zusätzliche individuelle Gestaltung bieten.
4. Die Überlegungen über eine „kindgerechte“ Gestaltung dieser Grußkärtchen führen zu der Erkenntnis, dass am besten Kinder selbst zur Gestaltung von Ostergrußkärtchen eingeladen werden sollen.
5. Damit wird vom Konzept der letzten Jahre Abstand genommen, das versuchte mit provozierenden Kunstabbildungen und Texten eine zur Auseinandersetzung anregende Osterbotschaft weiterzugeben.“

1996: Es kommt es zum bislang einzigen interdiözesanen Konflikt um ein Ostergrußkärtchen. Da das ausgewählte Motiv der Wiener Diözesanleitung wenig Gefallen findet, bringt die Diözesanleitung Linz ein eigenes Ostergrußkärtchen zusätzlich auf den Markt.

2003: Mit dem damaligen Entwurf aus Salzburg sind alle Diözesen zumindest einmal mit der Auswahl und Herstellung eines Ostergrußkärtchens und des dazugehörigen Begleitmaterials befasst worden. In der Bundesleitung wird beschlossen, dass das System der letzten 10 Jahre beibehalten wird.

Hinweis: Ein ausführlicher Artikel zur Geschichte der österreichischen Minderheitenpolitik findet sich hier: http://www.minderheiten.at/Service/volksgruppen.htm.

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