Die Nikolausaktion

Der Hl. Nikolaus ist eine der beliebtesten Heiligengestalten in der Vorweihnachtszeit. Entsprechend vielfältig ist auch das Brauchtum rund um diese Figur. Nikolaus gilt als Patron der Kinder, als Helfer und Gabenbringer.

Die Tradition hat allerdings aus dem Retter in Not einen fragwürdigen Erziehungsgehilfen gemacht, der das Wohlverhalten von Mädchen und Buben prüft und seine Geschenke nach Beurteilung von Gut und Böse verteilt. Dies hat dazu beigetragen, dass Kinder dem Nikolaus mit gemischten Gefühlen gegenübertreten, vor allem dann, wenn er seitens der Erwachsenen moralisierend missbraucht wird.

Aus diesem Grund unternahm die Katholische Jungschar ab Ende der 1980er Jahre Versuche, auf die öffentliche Meinung einzuwirken und den Nikolaus-Brauch weiterzuentwickeln. „Frohbotschaft statt Drohbotschaft!“ lautete einer der Slogans, der sich auf Plakaten zur Nikolausaktion fand.

So wurde eine Reihe von Materialien zur Nikolausaktion gestaltet: Zunächst wurde ein Infofalter mit einem Vorschlag für eine Familienfeier mit Nikolaus erarbeitet und verbreitet. Parallel dazu erschienen in den Jahren 1990 - 1997 Plakate, die von den Diözesanstellen an alle Pfarren ausgeschickt wurden.

Den ausführlichsten Behelf zu diesem Thema bot der im Jahr 1999 erschienene Sammelband "Nikolaus. Der zu den Kindern kommt". Er wurde als Band 1 der neuen Reihe be-help herausgegeben.

Seitens der Diözesanleitungen der Katholischen Jungschar wurden und werden immer wieder Vorbereitungsseminare für NikolausdarstellerInnen - sogenannte "Nikolaus-Schulen" - angeboten. In der Grazer Innenstadt führte (und führt) die Jungschar Graz-Seckau seit 1998 jährlich eine Nikolausaktion durch, bei der sich Kinder selber als Nikoläuse verkleiden konnten und Erwachsenen über die pastoralen und pädagogischen Hintergründe des Festes informiert wurden.

Neben diesen pädagogischen Materialien und Veranstaltungen wurde aber auch Medienarbeit gemacht. Diese stieß immer wieder auf breite Resonanz; im Dezember 2006 füllten die ausgedruckten Funde der Medienbeobachtung zum Thema „Jungschar + Nikolaus“ einen ganzen Ordner.

Die Kritik der Katholischen Jungschar bezieht sich aber auch auf Perchten-Bräuche im alpenländischen Raum, bei dem es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffe u.a. gegen Kinder kommt. Wenn ein Nikolaus bei Perchtenläufen dabei ist, hat er keinerlei Autorität über die Perchten, sondern ist eher ein folkloristisches Anhängsel. Die Krampusbräuche werden daher seit Jahren von der Jungschar aufmerksam verfolgt und kritisch hinterfragt. Am 9. November 2001 fand eine von der Katholischen Jungschar Salzburg initiierte und gemeinsam mit dem Referat für Volkskultur der Salzburger Landesregierung durchgeführte Podiumsdiskussion zum Thema „Brauchtum zwischen Kinderschreck und Volksbelustigung“ statt. Am Podium waren neben dem Religionspädagogen Anton Bucher auch die Sozialarbeiterin C. Lichtenegger und die Volkskundlerin Ulrike Kammerhofer auch der Leiter der Krampusgruppe „Anifer Krampusse“ Michael Friesacher vertreten.

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